Gedanken über Vereinsvorstände

An dieser Stelle möchte ich einmal ein paar Gedanken über mein Verständnis von Vorstandsarbeit zum Besten geben. Anlass dazu ist die außerordentliche Mitgliederversammlung der Sektion Bowling im HKBV am 6. Oktober 2001.

Zuerst einmal die Situation. Der Sektionsvorstand hatte ein neues Konzept zur Finanzierung der Sektion ausgearbeitet und dieses den Vereinen, vertreten durch ihre Vorstände, in kleinem Kreis vorgestellt. Mit diesen Ideen des Sektionsvorstandes bewaffnet sollten die Vereinsvorstände eigentlich die Meinung ihrer Mitglieder erkunden um auf der Mitgliederversammlung der Sektion einen Beschluss fassen, der die Finanzierung der Sektion Bowling sichern sollte.

Schon bei den Gesprächen im kleinen Kreis äußerten einige Vereinsvertreter Bedenken gegen den Vorschlag der Sektion und es wurden Vorschläge für alternative Formen der Finanzierung erbracht. Der Sektionsvorstand hat sich diese Bedenken offensichtlich zu Herzen genommen, den auf der Mitgliederversammlung stand das ursprüngliche Modell nicht mehr zur Diskussion. Statt dessen hat der Sektionsvorstand drei neue Modell ausgearbeitet und diese den anwesenden Mitgliedern zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt.

Leider scheint die Mehrheit der Vereinsvorstände ihre Hausaufgaben nur unzureichend gemacht zu haben. Stundenlang wurde um irgendwelche Kleinigkeiten diskutiert ohne auf die Vorschläge ernsthaft einzugehen. Irgendwann gab es sogar eine Abstimmung. Allerdings nicht über die Vorschläge, sondern nur darüber ob überhaupt abgestimmt werden solle. Die Mehrheit der Vereinsvertreter fühlte sich nicht in der Lage über die neuen Vorschläge abzustimmen. Statt dessen wurde eine Kommission einberufen, die einen neuen Vorschlag ausarbeiten soll. Da die Zeit aber drängt, beschlossen die gleichen Vereinsvertreter, die vorher nicht in der Lage waren, über die vorhandenen Vorschläge abzustimmen, den Vorschlag der Kommission - wie auch immer der aussehen wird - im Voraus anzunehmen.

Liebe Vereinsvertreter - eine traurige Vorstellung habt Ihr da abgegeben. Anscheinend habt ihr eure Mitglieder nur zu dem ursprünglichen 100-Mark-Modell befragt ohne auch nur den Versuch zu machen zu verstehen, was Eure Mitglieder akzeptieren können und was nicht. Auf jedem Fall habt Ihr Euch um Eure Verantwortung gedrückt. Ihr seid die Vertreter Eurer Vereine und Ihr dürft im Namen Eures Vereins handeln. Wenn Ihr dabei Fehler macht, müsst Ihr Euch Euren Mitgliedern gegenüber allerdings verantworten. Aber Ihr versucht, Euch dieser Verantwortung zu entziehen. Ihr könnt Eure Hände jetzt ja auch in Unschuld waschen. Ihr habt dem neuen Modell ja nicht zugestimmt. Bravo! Macht weiter so!

Der Beschluss, den Vorschlag der Kommission zu akzeptieren, wurde vom Sektionsvorstand begrüßt. Das kann ich verstehen. Selbst wenn man dem Sektionsvorstand viel vorwerfen könnte (nein meine Dame und Herren ich will Euch nichts vorwerfen, Ihr macht eure Arbeit recht gut) - dumm sind die nicht und auch die wissen besseres mit einem Samstag Nachmittag anzufangen als noch einmal so ein Hornberger Schießen zu veranstalten. Es ist auch richtig, dass über Gebühren geredet wurde und Gebühren durch den Vorstand festgelegt werden können. Also hätte der Sektionsvorstand auch einfach die Gebühren festlegen können ohne dass sich ein 14-köpfiges Gremium eben diese zerbricht.

Wenn unter den Vorsitzenden der Vereine schon keine Einigung zu erzielen ist, dann wäre mir eine Festlegung der Gebühren durch den Sektionsvorstand unendlich lieber gewesen als durch eine zufällig entstandenes Kommission. Der Sektionsvorstand ist der Mitgliederversammlung verantwortlich. Nicht dagegen die Kommission. Ich fürchte, damit hat der Sektionsvorstand ein Eigentor geschossen. Den letztendlich kann ihn die Kommission nur beraten. Beschlüsse müssen vom Vorstand oder von  den Mitgliedern gefasst werden. Und wenn der Beschluss eines Vorstands seinen Mitgliedern nicht gefällt, dann muss er sich zur Verantwortung ziehen lassen.

Was mich besonderst ärgert ist die Zeit, die bis zu einer Entscheidung vergeudet wird. Heute ist der 6. Oktober. Am 27. Oktober tagt die Kommission (das erste Mal). Vor November wird also kaum ein Ergebnis vorliegen. Dann bleiben den Vereinen noch zwei Monate um die Mannschaften für die nächste Saison  zu stellen (wenn sie dann überhaupt noch Mannschaften stellen können) und die Finanzierung der Saison zu sichern. Glück für die, denen es noch nicht gelungen ist, einen Sponsor für die nächste Saison zu finden. Was für Konsequenzen hat es wohl für die Vereine, die mit ihrem Sponsor einen Vertrag über die Finanzierung und Werbung mit einer Mannschaft abgeschlossen haben und plötzlich keine Mannschaft stellen können...

Ich hätte von den Vereinsvorständen etwas mehr Mut erwartet. Glaubt Ihr, mit einer Kommission wäre das Thema vom Tisch? Oder kennt Ihr Eure Mitglieder so wenig, als dass Ihr nicht zum Wohle Eures Vereins entschieden könnt? Oder seid Ihr nur die Laufburschen Eurer Mitglieder? Dann hätten wir viel Zeit sparen können, wenn der Sektionsvorstand den Vereinen seine drei Modelle zugeschickt hätten und Ihr das Ergebnis Eurer Mitgliederversammlungen schriftlich mitgeteilt hättet.

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